Eine von mehreren Quartiersgaragen in Wien-Aspern. Foto: Almuth Tharan

Eine Kiezgarage für den Schlossparkkiez?

Der Begriff „Kiezgarage“ oder „Quartiersgarage“ ist wahrscheinlich nicht jedem geläufig. Im Gegensatz zu innerstädtischen, öffentlich zugänglichen Parkhäusern ist eine Kiezgarage eine Einrichtung, die den Bewohner*innen eines bestimmten, abgegrenzten Stadtbereiches (beispielsweise eines Kiezes) Dauerparken für ihre Kraftfahrzeuge und andere Mobilitätsangebote ermöglicht. In der Regel sind sie in ein vorhandenes Verkehrskonzept zur Verkehrsberuhigung in dem entsprechenden Bereich eingebunden. Ein solches Verkehrskonzept sieht dann in der Praxis beispielsweise vor, dass in dem Kiez/Quartier Kraftfahrzeuge nur noch zum Anliefern halten dürfen, Parkmöglichkeiten auf der Straße aber nicht mehr vorgesehen sind. Die Kiezgarage bietet den Bewohner*innen den notwendigen Parkraum für ihr Kraftfahrzeug, der frei gewordene Straßenraum kann von den Anwohner*innen als Spiel- und Lebensraum genutzt werden.

Einfahrt Kiezgarage und zum Einkaufen in Wien-Aspern. Foto: Almuth Tharan

Das Konzept Kiez/Quartiersgarage wird bereits in deutschen Städten (u.a. Düsseldorf, Tübingen, München, Bremen) und europäischen Städten (Wien) angewendet. In der Regel ist in den Straßen die Belieferung erlaubt, das Parken ist aber auf wenige Garagenstandorte konzentriert. Der frei werdende Straßenraum wird mit einem Zusammenspiel von Festlegungen der Bauleitplanung und der Verkehrsregelung für andere Nutzungen zur Verfügung gestellt. Die vorgegebene, maximale Entfernung einer Kiezgarage bis zur Wohnung ist in der deutschen Anwendung unterschiedlich. Während Düsseldorf den Radius der anspruchsberechtigten Bewohner*innen auf 500 Meter begrenzt, sind es in München ca. 400 Meter, in Tübingen maximal 300 Meter.

In der Regel werden Kiezgaragen durch private Investor*innen geplant, finanziert und errichtet, auch der spätere Betrieb wird privat organisiert. Die monatliche Miete für einen Stellplatz in einer Kiezgarage ist sehr unterschiedlich. Das hängt sowohl von ihrer baulichen Beschaffenheit als auch von ihrer Lage ab. Die Preise variieren zwischen 30 und 120 Euro. Solange öffentliche Straßenparkplätze nichts oder in Parkraumbewirtschaftungszonen fast nichts (Berlin derzeit ca. 20 Euro Verwaltungsgebühr für 2 Jahre) kosten, ist die Akzeptanz von KfZ-Besitzenden für die Nutzung von Kiezgaragen in bestehenden Wohngebieten nur schwer zu erreichen. Bedenkenswert erscheint hier vor allem, dass Kiezgaragen im Gegensatz zur aktuellen Situation eine Gleichberechtigung unter allen Verkehrsteilnehmer*innen schaffen: Denn warum ist den ÖPNV-Nutzenden ein Gang zur Haltestelle von bis zu 700 Metern zuzumuten, dem Autobesitzer aber nicht der gleiche Weg zu einer Kiezgarage? Warum müssen alle für die horrenden Errichtungskosten von Straßen-Parkplätzen zahlen (fünfstelliger Betrag pro Stellplatz), wenn gleichzeitig dadurch das Verkehrsmittel KfZ gefördert wird, das Lärm-, Feinstaub- und Verkehrsgefahren produziert und viel Platz wegnimmt, der anders genutzt werden könnte?

Was hat das nun alles mit dem Schlossparkkiez zu tun?

Kiezgaragen nachträglich in einen schon bestehenden Kiez zu integrieren, ist aufgrund von fehlenden Flächen und der schon vorhandenen dichten Bauweise meist sehr schwierig. Im Schlossparkkiez existiert aber aktuell eine Möglichkeit: Hier wird aktuell ein Bebauungsplan für das Sommerbad Pankow erarbeitet, da dieses im Rahmen des „Berliner Bäderkonzeptes 2025“ zu einem Multifunktionsbad umgebaut werden soll (Aufstellung B-Plan: https://www.berlin.de/ba-pankow/politik-und-verwaltung/bezirksverordnetenversammlung/online/vo020.asp?VOLFDNR=5225).

Im Zuge der Erarbeitung des B-Plans wird eine Verkehrsuntersuchung durchgeführt und ein verkehrliches Konzept für den Schlossparkkiez erarbeitet, um die verkehrlichen Auswirkungen des Multifunktionsbades auf den Kiez zu prognostizieren und eine qualifizierte Entscheidung darüber zu fällen, wie die zukünftigen Besucher*innen das Bad erreichen (ÖPNV, Kraftfahrzeug, etc.). Noch ist keine Entscheidung getroffen, aber es gibt Forderungen nach einem Parkplatz auf dem Gelände des Schwimmbades. Sollte es – aus welchen Gründen auch immer – am Ende tatsächlich auf einen Parkplatz hinauslaufen, so bestünde theoretisch die Möglichkeit, anstelle eines ebenerdigen Parkplatzes eine Kiezgarage zu errichten. Für Autos, die aktuell im Kiez auf Straßen-Parkplätzen abgestellt werden, gäbe es dann eine andere Parkmöglichkeit. Im Kiez könnten die Straßenparkplätze dann entsprechend anders genutzt werden: zum Nachbarn treffen, zum Spielen,  zum Gärtnern, zum … [entsprechendes bitte selbst eintragen].

Was denken Sie? Wenn Sie selbst ein Auto besitzen: Wären Sie bereit, ihr Auto in einer zentralen Kiezgarage abzustellen und Miete für den Stellplatz zu bezahlen, wenn Sie im Gegenzug einen verkehrsberuhigten Kiez erhalten, in dem es viel Platz für Freizeitaktivitäten vor der Haustür und eine hohe Aufenthaltsqualität gibt?

Hier finden sich weitere Informationen zum Thema Kiezgaragen/Quartiersgaragen zur Vertiefung:

Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen: Quartiersgaragen in Berlin. Studie zum Umgang mit ruhendem  Verkehr in den neuen Stadtquartieren, Berlin 2018 (https://www.stadtentwicklung.berlin.de/wohnen/wohnungsbau/de/quartiersgaragen/index.shtml)

Deutsches Institut für Urbanistik: Pilotvorhaben Parkhäuser  und Park-and-Ride. Ergebnisbericht zum Arbeitspaket 2 im Forschungs- und  Entwicklungsvorhaben „ParkenBerlin“, Berlin 2009 (Online als pdf: https://www.google.com/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=&ved=2ahUKEwjU5urgiujpAhWlM-wKHcsbA4kQFjAAegQIARAC&url=https%3A%2F%2Fdifu.de%2Fsites%2Fdifu.de%2Ffiles%2Fbericht_difu_parkhaeuser_0.pdf&usg=AOvVaw09WkE2JgE4qgFzYX3Oi_ji )


Jan Drewitz, Geschäftsführer und wissenschaftlicher Mitarbeiter der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen Pankow

10 Kommentare

  1. Oliver

    Eine Kiezgarage wäre ganz toll. Aber bitte großzügig planen. Ich mag nicht, wenn mein X5 zerkratzt wird. Darf dann auch gern mehr kosten. Toll, wenn dann die Fußwege und Straßen für Nele und Dominik zum sicheren Spielen frei sind.

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  2. Anne-Sophie Lanier

    Das Multifunktionsbad gehört woanders hin: am Pankower Tor, wo durch die perfekte Anbindung an Bus, Tram und Bahn, kaum Platz für Autoparkplätze vorgesehen werden muss. Eine Kiezgarage kann man trotzdem im Schlosspark-Kiez überlegen: um die Straßen schöner zu machen und Fahrrädern mehr Platz einzuräumen.

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  3. Guido

    Als Autofahrer, Radfahrer und Fußgänger halte ich die Idee einer Kiezgarage sicherlich für überlegenswert. Ich bin gespannt, wie diese in unserem Kiez umgesetzt werden soll. Wie groß sie sein müssten, wieviele Autos dort parken dürften oder müssten. Ist für alle Anwohner, die eine Auto besitzen ein Parkplatz garantiert? Was ist mit denen, die mehrere aAutos besitzen? Für welches Gebiet ist diese Garage konzipiert? Von Ossietzkystraße bis Mendelstraße? Ist die zukünftige Nachverdichtung berücksichtigt?
    Auch als Fahrradfahrer finde ich es nicht schön, wenn die verbleibenden Grünflächen mit irgendwelchen Schuppen oder Abstellflächen für Fahrräder zugebaut werden. Unsere Fahrräder stehen in unserem Keller. Mit welchem Recht könnte man ja auch fragen, bekommt man einen Fahradschuppen vor ein Haus gestellt, nur weil jemand 7 Fahrräder sein eigen nennt.
    Ich bin gespannt, wo die Reise hingeht im Moment findet die Mehrheitsmeinung leider keine Berücksichtigung. Das ist schade, gerade für Volksvertreter.

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  4. M E

    “Wären Sie bereit, ihr Auto in einer zentralen Kiezgarage abzustellen und Miete für den Stellplatz zu bezahlen, wenn Sie im Gegenzug […]”
    Ich möchte Ihnen einen Hinweis auf die absehbare Antwort der meisten Autofahrer geben. Sie lautet: Nein.
    Verteilungsfragen führen zu Verteilungskämpfen. Flächengerechtigkeit muss politisch durchgesetzt werden.

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    • Mattias

      Kiezgarage gibts doch schon, das Parkhaus im Center Pankow. Weil erlaubt, wird lieber auf dem Gehweg in der Neuen Schönholzer Straße geparkt. Fazit: Kiezgarage kann funktionieren, nur leider wagt sich keine Partei die nötigen Beschränkungen zu erlassen. Denn die Mehrheit der Fußgänger und Radfahrer toleriert die Gefährdungen stillschweigend, während die wenigen Autofahrer laut Klagen.

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  5. Hans Hagedorn

    Als 4-köpfige Familie erledigen wir unsere Wege mit Bahn und Rad, haben daher noch nie ein eigenes Auto gebraucht. Was wir allerdings brauchen, ist ein sicherer Abstellplatz für unsere sieben, zum Teil hochwertigen Fahrräder. Wir haben für unsere Hausgemeinschaft einen extra großen Fahrradschuppen im Hof gebaut. Aber da jetzt viele Nachbarn vom ÖPNV auf’s Rad umsteigen, wird es dort auch sehr eng.

    Ich frage mich daher öfter: Warum darf man für ein Auto kostenlos öffentliches Straßenland beanspruchen, aber dort keine witterungs- und diebstahlgeschützen Fahrradhäuschen aufstellen und nutzen?

    Auch in einer Kiezgarage fände ich kleine, abschließbare Lagerräume (nicht nur für Fahrräder) ein tolles Angebot, für das ich zu zahlen bereit wäre.

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    • Mattias

      Es ist absurd,MIV in den Kiez zu ziehen. Ein Parkhaus gehört auf die Breite Str.. Wer schwimmen will, kann von dort die 300 Meter zur Halle laufen. Das Parkhaus kann auch am U-Bahnhof Pankow stehen. Badegäste können vom dort mit der Tram 50 fahren und 280 Meter zu Fuß laufen. Entweder das Thema Verkehrswende wird ernst genommen, oder man lässt es sein. Ein Parkhaus am Schwimmbad in dem verdichteten Kiez steht im Widerspruch zur Verkehrswende.

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      • Peter

        Kiezgaragen sind eine sehr gute Idee für die ich zu zahlen bereit wäre. Elektroladwstationen und ebenso ausreichend Plätze für Fahrräder (und auch für diese Ladestationen) sollten idealerweise gleich mit hinein installiert werden.

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        • Hartmann

          Kiezgarage und Caresharing finde ich Alternativen, Elektroladeststationen für ggf.zukünftige E-Autos, die Kosten für Anwohnerparkplätze haben nicht so gestaltet sein, dass Bürger mit kleinem Einkommen benachteiligt sind. Fahrräder sind umweltfreundlich und haben gefördert zu werden.

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